Meditation

Meditation

schalk1a_1368.jpgP.Dr. Hans Schalk, Redemptorist

Meditation ist etwas Wunderbares: Ich komme zu mir, zu Gott, zum Mitsein mit den Menschen und der Schöpfung. In der Meditation nehme ich mich an: in meinem Leib, in meinem Atmen, in meinem Denken und Nicht-Denken, in meinem Fühlen und Nicht-Fühlen. Ich öffne mich dem tiefen Grund des Seins.

Da sein und atmen: eine Grundübung der Meditation


Eine einfache Form der Meditation hat Dag Hammerskjöld (1905-1961) beschrieben: „Ich sitze hier vor Dir, Herr, aufrecht und entspannt, mit geradem Rückgrat. Ich lasse mein Gewicht senkrecht durch meinen Körper hinuntersinken auf den Boden, auf dem ich sitze.“
Ich fühle, so erlebe ich es bei mir, wie der Atem kommt und geht. Ich greife in den Atemfluss nicht ein, ich schaue ihm gleichsam zu. Im Ausatmen lasse ich mich tief nieder in meine Leibmitte – wie in meinen Lebensgrund. Wenn der Atem wieder kommt, spüre ich meine klare, aufrechte Gestalt bis hinauf zur Scheitelspitze. Ich kann mit dem Atem innere Worte verbinden: „loslassen“ (am Beginn des Ausatmens) – „niederlassen“ (am Ende des Ausatmens) – „eins werden“ (in der kurzen Pause zwischen Ein- und Ausatmen) – „kommen lassen“ (beim Einatmen); oder als Gebet formuliert: „weg von mir – hin zu dir – eins mit dir – neu aus dir“.


Dag Hammerskjöld: „Gott, Du bist lebendig. Du bist in mir. Du bist hier. Du bist jetzt. Du bist. Du bist der Grund meines Seins. Ich lasse los. Ich sinke und versinke in Dir. Du überflutest mein Wesen… Mein Atmen, mein Ein- und Ausatmen, ist Ausdruck meines ganzen Wesens. Ich tue es für Dich – mit Dir – in Dir. Wir atmen miteinander...“

In der Meditation geben wir dem Wirken Gottes Raum.


Die eben beschriebene Art des Meditierens ist inspiriert durch die Zen-Meditation, aber integriert in den christlichen Glaubensvollzug: Die Meditation wird zum Gebet, zur Wahrnehmung des anwesenden Gottes und Mitvollzug seines Wirkens. „Da öffnet der Mensch sein Wesen und erlaubt Gott, in sein Inneres zu kommen und es zu gestalten wie er will“ (Klemens Tilmann). Mit dem Stundenbuch der Kirche können wir zum Heiligen Geist beten: „Durchwirke unsre Seele ganz mit deiner Gottheit Kraft und Glanz“ (Hymnus zur Terz). Der Mensch gibt dem Wirken des Geistes Raum. Paulus schreibt im Brief an die Römer (8,20): „Wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, die wir nicht in Worte fassen können.“

Das Anliegen der Meditation kann sich in verschiedenen Formen verwirklichen

Manchmal wird unterschieden zwischen gegenständlicher und ungegenständlicher Meditation. In der „gegenständlichen“ Meditation lasse ich ein Wort (zum Beispiel ein Wort aus der Heiligen Schrift), ein Bild oder auch die Schöpfung auf mich wirken. In der „ungegenständlichen“ Meditation lasse ich alles um mich weg, auch Bilder und Worte, um mich dem nicht beschreibbaren Grund, dem Sein, zu öffnen. Für mich persönlich gibt es freilich zwischen beiden Formen fließende Übergänge: Ein Wort kann mich ganz erfüllen. Ein Bild, ja die Schöpfung, kann transparent werden für die Begegnung mit dem Geheimnis, das sich nicht mehr in Worte fassen lässt. Andererseits gibt es bei der „ungegenständlichen“ Meditation Zielvorstellungen wie: „Sein“, „das Selbst ist das All“, „Nichts“, ein Nichts freilich, das nicht zum Nichtsein, sondern zur Fülle führt. Meditation ist Aufbruch ins Leben!

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