Gedankenaustausch

Mein Weg

Als Redemptorist unterwegs

Gespräch mit meinen Stadtpfarrer in der Mitte einer Seitenstraße kurz nach dem Abitur Juni 1949.
„Was willst Du werden? Beamter?“ frug er mich.
„Nein. Ich möchte Priester werden.“
„Dann geh‘ ins Priesterseminar nach --.“
„Ich möchte Missionar werden.“
„Dann geh‘ zu den Redemptoristen.“
Das war das erste Mal, dass ich das Wort ‚Redemporist‘ hörte. Bald darauf fuhr ich mit dem Fahrrad los. Zuerst jedoch zu den mir bekannten Benediktinern in Neresheim. Ob die für mich das Passende wären. Ich verbrachte dort zwei bis drei Tage. Doch die oftmalige Glocke zum Gebet war für mich ein Zuviel des Guten. Regelmäßig die Arbeit bzw. das Studium unterbrechen zu müssen, entsprach nicht meinem Arbeitsrhythmus. So radelte ich dann weiter nach Günzburg. Dort erhielt ich von P. Rektor Eichinger meine ersten Infomationen über die Redemptoristen. Kurz darauf fuhr ich dann nach München ins Provinzialat und von dort weiter nach Gars. Alles per Fahrrad bzw. per Anhalter. „Daheim ein Kartäuser, draußen ein Apostel“ wurde für mich ein Leitmotiv.

Im August –praktisch gut 2 Monate nach meiner ersten Kontakt mit dem Wort „Redemptorist“ begann ich das Noviziat, anschließend Studium der Philosophie und Theologie. 4 Jahre nach meinem Eintritt übernahm die Provinz eine Mission in Japan. Freiwillige konnten sich melden. Als mein Jahrgang an der Reihe war, meldete ich mich gleich. 4 Monate nach der Priesterweihe wurde ich mit 4 Mitbrüdern ausgesandt. Per Frachtdampfer ging es von Genua, Suezkanal, indischer Ozean, Singapur, Manila, Hongkong, Shanghai und nach 56 Tagen schließlich nach Kobe, Japan. Von Japan wußte ich außer Fujisan (Fujiyama), Kimono, farbenreich und Kamikaze-Piloten nicht viel mehr. Ich wollte dies übrigens auch nicht, da ich Menschen und deren Land nicht über Bücher oder Sonstiges sondern vor Ort kennenlernen will. Japan, das Land der aufgehenden Sonne stellte ich mir als warmes, heißes Land vor. Darin täuschte ich mich gewaltig.

Angekommen im Hafen von Kobe schneite es und es war kalt. Die Hallen im Hafengelände waren grau, von hellen Farben war nichts zu sehen und Kimonos so gut wie nicht. Öfen gab es keine. Die Hände konnte man sich erwärmen mittels auf Sand gelagerten Holzkohlen in Tongefässen –ein Weihrauchfaß könnte als Vergleich dienen--. Sonst half nur Bewegung bzw. Mäntel, Pullover, Decken usw. Frostbeulen an Händen, Füßen und Ohren waren die Folge. (Notabene die Füße sind auch jetzt nach mehr als 56 Jahren von Ende Oktober bis Anfang Mai gewöhnlich kalt.)

Das 1. Jahr verbrachten wir zu viert in einem japanischen Haus und lernten Japansich mit einem Privatlehrer. Unsere Einzelzimmern hatten die Größe von 270cm x 180cm. Türen und Wände waren aus Papier und Holz. Im 2. Jahr wurden wir auf 2 Stationen verteilt. Dort konnten wir 1 weiteres Jahr dem Studium der japanischen Sprache nachgehen. Während dieser Zeit konnten wir einzeln auch eine Fahrt durch Japan machen, um das Land kennenzulernen.

Die eigentliche Missionsarbeit begann nach dem Japanisch Studium. Ich war ein halbes Jahr mit P. Meyer, dem damaligen Obern, in Sendai (Südjapan!) tätig. Danach ein halbes Jahr in Kaseda ehe nach nach Tokunoshima, einer kleinen Insel nördlich von Okinawa, versetzt wurde. Auf Tokunoshima gefiel es mir sehr gut. Mit Jeep und Lautsprecher lud ich die Bewohner zur Kirche ein. Es gab zwar (noch) keine Wasserleitung noch Elektrizität, dafür Habus (Giftschlangen) und viele Flöhe. Die Menschen lebten in ärmlichen und engen Verhältnissen. Doch sie waren fröhlich und aufgeschlossen. Ich hatte vor, ihnen in Bezug auf die Verbesserung ihrer Wohnverhältnisse zu helfen. (Dies initierte dann mein Nachfolger P. Arima.) Nach einem Jahr musste ich wieder wandern und zwar nach Kaseda.
In Tokunoshima lernte ich eines. Innerer Friede hängt nicht mit einem stabilen Haus zusammen. Die dortigen Menschen, die in windschiefen Häusern lebten, hatten inneren Frieden und gegenseitigen Zusammenhalt (in ihrer jeweiligen Dorfeinheit. Auf der Insel als Ganzes war/ist dies leider nicht der Fall.)

In Kaseda wollte ich das in Tokunoshima Gewohnte fortsetzen. Ich fand aber bald heraus, dass ‚andere Menschen andere Sitten‘ seine Richtigkeit hat. Um die Bewohner zur Kirche einzuladen, stellte ich mich z. B. Morgens an die Straße, um die Schüler, die in die dortige Oberschule gingen, zu begrüßen bzw. mich bekanntzumachen. Nach 3 Jahren konnte ein Kindergarten gebaut werden. Ich hoffte durch den Kontakt mit Eltern und deren Kinder Menschen für den Glauben gwinnen zu können. In der kleinen Stadt war ich bald bekannt.

In einem Lungenkrankenhaus in Kaseda begann meine regelmäßige Begegnung mit kranken Menschen. Durch sie und durch die Begegnung mit Menschen, die Intersse am Glauben hatten, spürte ich eines: Menschen sind Suchende. Wenn sie zu mir kommen, haben sie einen Wunsch. Sie nehmen an, dass ich ihnen in ihrem Suchen helfen könne. Da jedoch viele dieser Menschen dann nicht mehr kamen , merkte ich, dass ich ihnen das, was sie suchten, nicht geben konnte. Ich wollte ihnen das geben, was ‚ich‘ nicht sie als wichtig angesehen hatten. In der Folgezeit nahm ich an diversen Kursen teil und versuchte dann gleich das jeweils (An)Gelernte anzuwenden. Natürlich blieb der ersehnte ‚Erfolg‘ aus. Langsam keimte in mir die Einsicht, dass richtiges Hören den Ausschlag gibt.

Eine zweite Erfahrung, nach 8 Jahren in Japan war die, dass ich bei Predigten und beim Glaubensunterricht (oft) die gleichen Dinge wiederholte. Aus diesen beiden Einsichten wuchs mein Entschluss, nochmals auf die Uni zu gehen. Ich entschied mich für ‚Pastoral Counseling‘ und konnte/durfte mich 1971 in der Loyola Universität in Chicago immatrikulieren. 1975 promovierte ich dort.

Ich hatte vor, durch das Studium Wege zu finden, wie ich „anderen“ etwas übermitteln könne. Nach 3 Monaten jedoch kehrte ich das Konzept um. „Ich studiere für mich. Denn erst wenn ich das Hören in mir integriert habe, kann ich es eventuell auch anderen mitteilen“. Während der 4 1/2 Jahren in Chicago lebte ich bei den ‚Alexianer Brüdern‘ als Hausgeistlicher. Diese Jahre waren in meinem Leben die beste Zeit was innerliches Leben anbelangt. Kein Fernsehen und Radio, dafür immer wieder Austausch über den Glauben. (NB Seit dieser Zeit benütze ich keinen Fernsehapparat. Im Hotel ab und hin schaue ich mir den Teil eines Fussballspieles an.)

1976 nach Japan zurückgekehrt, wollte ich in der Krankenseelsorge arbeiten. Doch dafür fand ich in katholischen Institutionen kein Gehör (von Institutionen öffentlichen Rechts ganz zu schweigen). – Krankenseelsorge gibt es auch heute selbst in Hospizen kaum! – Ich konnte dann hauptamtlich als Dozent an der Sophia Universität in Tokyo „Die Lehre vom Menschen“, „Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation“ und „Deutsch“ dozieren. Daneben gab ich Kurse in Pastoral Counseling an der Nanzan Universität (Steyler Missionare) in Nagoya und dem Priesterseminar der Franziskaner in Tokyo. Während der Zeit in Tokyo war ich in der japanischen und englischen Telefonseelsorge engagiert, gab regelmäßig Kurse in „Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation“ in Japan und Korea und monatlich ein- bzw. zweitägige Einkehrtage in Japan.

Als ich 1987 aus Tokyo in eine Vorstadt umzog, konnte wegen der Entfernungen der abendliche Gebetskreis nicht mehr weitergeführt werden. Bei einer Tagung in Australien lernte ich die ‚Konferenzschaltung (des Telefons)‘ kennen. Zurück in Japan versuchte ich gleich diese Methode. Sei diesen Jahren ‚treffen sich per Telefon‘ einmal wöchentlich 6-10 Personen für 40 Minuten zum gemeinsamen Gebet: Psalmen, Litanei, Schriftlesung und Reflektion, Bittgebet und Segen. Seit vielen Jahren beteiligt sich ab und an der jetzige Bischof von Kagoshima.

In Tokyo und in Kagoshima darf ich jährlich jeweils drei 2-tägige Einkehrtage begleiten.

Anfang 1980 war ich Mitbegründer der interkonfessionellen Vereinigung „Seelsorge in Krankenhäusern“ und 1986 lud mich ein katholisches Krankenhaus ein. Zunächst für „Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation“ für das Personal. Daraus entwickelten sich dann „Ausbildungskurse für Krankenseelsorge“. 1995 bekam ich eine Professur an einer katholischen Hochschule für Krankenpflege. In dem angeschlossenen Krankenhaus wollte ich kompetente Krankenseelsorge aufbauen. D. h. auf den Kranken als Person eingehen, ihm zuhören, dies auch wenn keine Worte gewechselt werden. Einem Japaner – die meisten sind nicht in einer festen Glaubensrichtung sozialisiert-- gleich ‚Religion anzubieten‘ halte ich für unangebracht. Zuerst kommt die Person im Hier und Jetzt. Religiöse Hilfe und dessen Angebot kommt auf deren Wunsch bzw. der gegebenen Situation danach. Diese Art von Krankenseelsorge wurde abgelehnt. Ich beendete deshalb meine Lehrtätigkeit an dieser Institution und verlegte mich ganz auf die Ausbildung in Krankenseelsorge.

1998 gründete ich mit Gleichgesinnten das „Institut für Ausbildung und Forschung in Krankenseeslorge, e.V. “. Für die Allgemeinheit bieten wir Vorträge sowie ein- bzw. zweitägige Einführungskurse an. Diplomkurse für Personen, die sich ganz in der Krankenseelsorge engagieren wollen, gibt es deren zwei. Der 1. Diplomkurs besteht aus einem 3-tägigen und drei 5-tägigen Kurseinheiten. Der daran anschließende Aufbaukurs besteht aus vier 5-tägigen Kurseinheiten. Dazu kommen Kurse in Philosophie und Theologie sowie Protokolle und deren Besprechung in Gruppen und unter der Leitung eines Supervisors. Seit der Gründung vor 15 Jahren haben 11 Personen den ersten Kurs und über 80 Personen den vollen Kurs abgeschlossen. Bezüglich deren Anstellungen müssen diverse Wege gefunden werden. Dies ist oft sehr mühsam. Doch wenn das Verständins der Öffentlicheit für die Notwendigeit einer kompetenten seelischen Betreuung kranker Menschen sehr minimal ist, glaube ich tortzdem, dass sich diese Mühe lohnt. Menschen sind eben keine Machinen, die mit Arzneien ‚am Laufen‘ gehalten werden (können), sondern Personen, deren Existenz einen Sinn hat und die diesen Sinn auch wahrgenommen haben wollen. Krankenseelsorge soll helfen, die Würde des Menschen zu wahren und zu festigen.

2006 wurde mit Freunden der „Förderverein ‚Krankenseelsorge in Japan‘ e. V.“ gegründet.

Seit dem Erdbeben und dem Tsunami im vergangen Jahr gebe ich in Sendai (Nordjapan) regelmäßig Kurse im ‚Hören‘, um Menschen zu helfen, für die Nöte von Mitmenschen sensibel zu werden. Fukushima ist ab und an auch mit eingeschlossen.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich drei Internetseiten habe, „Jesus-online.jp“ um Jesus bekannt zu machen, die zweite „blog redemtor-forum“ als Sprachrohr für unsere Redemptoristengruppe in Südjapan, und die dritte „pastoralcare.jp“ um die Notwendigkeit und Hilfe einer kompetenten Krankenseelosrge an die Öffentlichkeit zu tragen. Neben Artikeln habe ich 10 Bücher mit Hilfe von Japanern auf Japanisch, vier weitere redigiert und mit einer deutschen Schwester ein Deutsches Lehr- und Lesebuch „Erfüllter leben Deutsch zum Sprechen und Nachdenken“ herausgegeben. Ich bin froh und dankbar, dass ich vieles machen durfte und noch machen darf. Ich bin gewöhnlich nicht lange zu Hause sondern von Kagoshima bis Hokkaido (3000 km) unterwegs.

Zuletzt möchte ich sagen, dass mir Stille, Meditation am meisten hilft. Für mich ist das Leben ein Kampf zwischen Gut und Böse.

Krankenseelsorge verstehe ich als Sensibilierung des inneren Menschen, heute, in der Überflutung durch die Medien, ein sine qua non.

Weihnachten in Japan- wenn in der Kirche übernachtet wird

Von Susanne Kerkovius und Dr. Waldemar Kippes Dezember 2008


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  Durch die Arbeit meines Mannes, Thile Kerkovius, der seit 16 Jahren das Hospiz in Oberharmersbach leitet und in Sachen Hospizarbeit international eingebunden ist, kamen wir auch in Kontakt mit christlich orientierten Japanern, die im selben Bereich tätig sind. Durch die Begegnung mit diesen Menschen wurde uns erstmals klar, was es bedeutet, als Christ in einer nichtchristlichen Kultur zu leben. Es gibt nur ungefähr ein Prozent Christen in diesem bevölkerungsreichen Land. Wie erleben diese zum Beispiel das zentrale christliche Fest, Weihnachten ? Wir hörten von einer Familienmutter, Frau Matsumaru, dass es eine hektische Zeit sei, alle arbeiten, die Geschäfte sind geöffnet bis spät in die Nacht hinein. Viele schenken sich etwas, die Familien treffen sich zum Essen, aber sonst ist alles wie immer. Keine Zeit der Einkehr, Ruhe und Besinnung- eher im Gegenteil.   Dr. Waldemar Kippes lebt seit über 50 Jahren in Japan. Er gehört zum christlichen 0rden der Redemptoristen, hat Gemeindearbeit gemacht, an der Universität gelehrt und konzentriert sich heute auf die spirituelle Begleitung von Kranken und Sterbenden. Er lebt in Kurume in einem kleinen Häuschen, wo er seine Bücher und Aufsätze schreibt, seine Vorträge vorbereitet und, manchmal nur mit einem oder zwei Menschen zusammen, in seiner kleinen Hauskapelle die Heilige Messe feiert. An einigen Tagen im Jahr ist er per Konferenzschaltung mit anderen Christen, die zum Teil tausende Kilometer entfernt wohnen, zu einem gemeinsamen Gottesdienst verabredet. Dr. Kippes berichtet:    "Durch den Geburtstag des jetzigen Kaisers (also seit 1989) ist der 23.12. ein Feiertag. Die Winterferien beginnen am 24.12. Der 25.12. ist kein Feiertag. Da der Neujahrstag, besser die Neujahrstage vom 1. - 3.1. in Japan die schönsten und ruhigsten Feiertage des Jahres sind, ist die Zeit davor sehr hektisch. Die Mehrheit der japanischen Familien kommt zu Neujahr nach Hause, d.h. an den Familiensitz, solange die Grosseltern dort noch wohnen. Dadurch entsteht zum Jahresende eine große Völkerwanderung in Richtung 'aufs Land'. (An den Neujahrstagen sind mehrere Bezirke in Tokyo wie ausgestorben.)Der Strom zurück in die Ballungszentren der Megastädte beginnt dann ab dem 4. Januar. Die Weihnachtszeit fällt deshalb in die hektischte Zeit des Jahres. Ab November findet sich Weihnachtsschmuck in Geschäften und teils auf öffentlichen Plaetzen. Weinachtstorten und -kuchen, Weihnachtsparties und Events sind ausgeschrieben und wohl auch gut bevölkert. Beethovens 9. Sinfonie wird besonders viel strapaziert. Am 24. 12. gegen Abend versuchen die Geschäftsleute ihre letzen Torten an den Mann zu bringen.Viele Menschen, ob Christ oder Nichtchrist, gehen am 24. Abend in christliche Gottesdienste und wohl zu einem gemütlich fröhlichen Beisammensein. Am 25. ändert sich dann das Bild sehr schnell. Der Christmasschmuck weicht dem Neujahrsschmuck.   Für die meisten Japaner sind diese christlichen Dinge eher so etwas wie "Life-Style". Sie heiraten zum Beispiel in eigens dafür gebauten Hochzeitskapellen im weißen Kleid und mit Altar und Bibel, obwohl sie mit den religiösen Inhalten gar nichts zu tun haben wollen. Es geht nur um das äußere Bild, das man eben schön findet und nachahmt.

  Anders ist es natürlich für die wenigen Menschen, die überzeugte Christen sind. Sie können sich viel weniger auf vorhandene Strukturen abstützen als in Europa, sie müssen viel improvisieren. Dafür schätzen sie die religiösen Feste und Begegnungen dann auch ganz besonders. Früher, von 1956 - 1970, als ich in der Pfarrei arbeitete, hatte ich am 24. viele Aktivitäten laufen. Ein Weihnachtsspiel, einmal mit lebendigen Tieren und einem Baby, waren neben der Eucharistiefeier die wichtigsten Ereignisse. Die Christen, die von auswärts kamen, übernachteten in der Kirche. Diese glich dann einer vollbesetzten Herberge, "in der immer noch Platz war". Für die Christen bedeutete dies eine Stärkung ihres Zusammengehörigkeitsgefühls.

  Seit meiner Rüeckkehr 1976 von Amerika bin ich im Lehrfach tätig. Am 24. mache ich gerne Krankenbesuche und feiere am Spätnachmittag in meiner Haus-Kapelle mit Interessenten die Eucharistiefeier . Dieser schließt sich ein gemeinsames Abendessen an. Selten gehe ich dann noch in einen Gottesdienst der nächstliegenden Kirche.
  Die Weihnachtszeit ist für mich eine Zeit der Ruhe. Da ich während des Jahres viel unterwegs bin, bin ich dann gerne alleine. Weihnachtsschmuck etc. verwende ich kaum. Mir gibt die Leere mehr.
  Hier in Japan ist übrigens die Bezeichnung "Christmas" geläufig, was mit "Nacht" nichts zu tun hat, sondern eben "Christmesse" bedeutet.

  Wir wünschen allen Menschen in der ganzen Welt schöne Weihnachten- wie immer sie es begehen und was immer sie aus dieser besonderen Zeit machen!

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NACH DER CHRISTMESSEE

・Jesus ist ein Freund

Hermann Stenger 18. September 2005
Predigt zum Priesterjubiläum (50 Jahre) von P. Waldemar Kippes CSsR

Alle, die Pater Waldemar Kippes kennen, haben Grund zum Staunen über das Werk, das er in Japan im Lauf eines halben Jahrhunderts vollbracht hat: den Aufbau der Krankenseelsorge auf humanwissenschaftlich-psychologischer und auf sprituell-christlicher Basis. Ich unterlasse eine überschwengliches Lob, aber das Staunen und die Freude darüber und der Dank dafür, was Gott durch einen Menschen, der sich von ihm führen ließ, gewirkt hat, dürfen nicht unterbleiben.
Ich werde meine persönliche Mitfreude daduch zum Ausdruck bringen, dass ich das Leimotiv von P. Waldemar, das auf seinen Briefen zu lesen ist „Jesus is a friend“, (1.) an Hand biblischer Texte näher erkläre, und dann (2.) für die Praxis unseres Lebens und Glaubens einige Fogerungen daraus ziehe.


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1. Biblische Erklärung des Leitmotivs
Es ist einer der liebenswürdigen Zufälle, dass die Lesungen aus der Philipperbrief und dem Matthäusevangelium, die für den heutigen Sonntag (25. Sonntag im Jahreskreis) vorgesehen sind, sich für die Deutung „Jesus als Freund“ besonders gut eignen.

1.1 Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (1.Kapitel):
Paulus machte sich bei der römischen Besatzungsmacht, die im Vorderen Orient stationiert ist, unbeliebt und kommt ins Gefängnis. Er rechnet mit der Möglichkeit der Hinrichtung und erwartet zugleich die baldige Wiederkunft des Herrn (Naherwartung, Parusie). Was er betrachtend niederschreibt ist sehr persönlich. Er gebraucht zwar das Wort „Freundschaft“ nicht, aber er schildert sein Verhältnis zu Jesus als eine sein ganzes Wesen durchdringende Beziehung, für die die Bezeichnung „Freundschaft“ nicht mehr ausreicht.
Paulus kann sagen „Sterben ist für mich Gewinn“, denn durch sein Sterben würde die Nähe zu Christus eine neue, ganz andersartige Qualtät bekommen.
Deshalb redet er von einer „Wahl“ zwischen zwei Weisen zu leben: hier oder dort, beides ist Leben.
Die eine Möglichkeit ist das Aufbrechen, die Beendigung des Pilgerstandes, um in die Fülle der Verbundenheit mit aufgenommen zu werden (status viatoris – status comprehensionis). Die andere Möglichkeit ist das Dableiben, dieses Leben weiter zu führen. Das wäre notwendig „um euretwegen“, um der Gemeinde wegen. Denn die Leute brauchen Paulus-Waldemar. Welch ein Dilemma!

1.2 Aus dem Matthäusevangelium (20. Kapitel)I
In diesem Gelichnis kommt nun tatsächlich das Stichwort „Freund“ vor. Viele werden es überhört haben, weil es schnell vorbeihuscht: „Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht“. Diese Anrede darf nicht im Sinn des bayrischen „Freunderl“ ironisch-herablassend oder gar zynisch gehört werden.
Es ist dem Gutsbesitzer (Gott, Christus) voller Ernst mit dieser Ernennung, Würdetitel. „Du bist kein Taglöhner, kein Knecht, kein Sklave, sondern ein Freund Gottes, wie Abraham einer war. Du hast, wenn Du zum Glauben an den Auferstandenen gekommen bist, einen völlig neuen Status. (Du hast Teil an seinen Ämtern (Priester, König, Prophet, Hirte,), weil Du sein Freund geworden bist. So gesehen ist die Diskussion wegen des Stundenlohns gegenstandslos. Denn der Lohn im Himmel ist für alle gleich: Das reine Glück vollendeter Beziehung zu Gott dem Vater und zu seinem Sohn. „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30); „Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch“ (Joh 14, 20). („Beseeligende Gotteschau“)

2. Folgerungen für unsere menschlichen Beziehungen
Welche sind die Kennzeichen einer Freundschaft und was können wir daraus für unsere alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen lernen?

2.1 Kennzeichen einer Freundschaft
Nicht jede gute menschliche Beziehung ist schon eine Freundschaft. Zu ihr braucht es ein gewisses Mehr, das Romano Guardini als „Innigkeit“ charakterisiert hat. Man könnte dafür auch „intime Beziehung“ sagen, wenn das Wort „Intimität“ nicht so mißverständlich wäre.
Der Kern einer freundschaftlichen Beziehung ist das gegenseitgige Vertrauen;
dazu kommt ein hohes Maß an Übereinstimmung im Denken, Wollen und Fühlen. Die Begegnung von Freunden ist von einer nicht-vereinnahmenden Wärme und diskreter Offenheit getragen, von einem ehrfürchtigen Wissen um den anderen und von unaufdringlicher Für-Sorge. Freunde werden im Laufe ihrer Beziehung „einander zur Weisheit“.
Es gibt karge und und dunkle Zeiten, Zeiten des Fremdseins und des Sich-verlassen-Fühlens (Mein Gott, warum hast Du mich verlassen). Es gibt das Suchen und das Finden und den Wechsel von Nahnähe und Fernnähe („Trennung, die keine ist“). (Freundschaft hat prägende Kraft (character indelibilis“)).

2.2 Freundschaften erzeugen kollektiven „Wohlgeruch“
Ich komme zum Schluß nochmals zurück auf Paulus. Er macht die Erfahrung, dass die intime, intensive Beziehung zu Christus nicht nur ein Ereignis von Person zu Person ist, sondern ein Erleben der Gemeinde. Er spricht vom „Wohlgeruch Christi“, der in der Gemeinde zu riechen ist und meint damit die befreiende, wohlwollende Atmosphäre der gegenseitigen Liebe, die spürbar ist: z. B. in einem Ordenskonvent, in einem Handwerkbetrieb, in einem Pfarrgemeinderat usw.

Zum Schluß nenne ich drei Glückwünsche für Dich, lieber P. Waldemar, (und für uns alle), die zugleich Segenswünsche sind. Ich habe sie in Aufzeichnungen von Teilhard de Chardin gefunden: Glücklich ist ein Mensch, wenn er eine gute, freundschaftsähnliche Beziehung zu sich selbst hat (Annahme seiner selbst!), eine ebensolche Beziehung zu den Mitmenschen (in Wertschätzung und Einfühlung) und darüberhinaus zu Gott, der uns seinen Sohn Jesus den Christus zum Freund gegeben hat.

Gott lasse Dich noch eine Wegstrecke weiterwandern, denn Du wirst in Japan noch gebraucht, wie Paulus in seinen Gemeinden gebraucht wurde.
Aufbrechen – Dableiben.
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