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Wer ist Jesus

Pfarrer Otto Lutz Weihnachten 2012
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Liebe Freunde!

Knapp und nüchtern berichtet der Evangelist Lukas
die Weihnachtsgeschichte:
„Als sie dort waren, kam für Maria
die Zeit ihrer Niederkunft,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.
Sie wickelte ihn in Windeln
und legte ihn in eine Krippe,
weil in der Herberge kein Platz für sie war…“

„Der Engel des Herrn sagte zu den Hirten:
Heute ist euch in der Stadt Davids
der Retter geboren;
er ist der Messias, der Christus.
Und das soll euch als Zeichen dienen:
Ihr werdet ein Kind finden, das,
in Windeln gewickelt,
in einer Krippe liegt.“
(Lk 2,6.11f)
Gottes Sohn,
„in Windeln gewickelt", lässt aufhorchen!

Gleich zweimal erwähnt Lukas
die unangenehme Sache.
Drastisch und so menschlich wie nur möglich,
stellt der Evangelist dar,
was für ihn der Kern der weihnachtlichen Botschaft ist:
Gott wird unsereiner,
der wie alle Menschen nach der Geburt
in die Windeln macht,
an der Mutterbrust liegt, um gestillt zu werden,
und unsere ganze Armseligkeit auf sich nimmt.

Daran haben damals all die Anstoß genommen,,
für die Gott nur denkbar war als der Unendliche,
Jenseitige, Erhabene und Geistige,
die sich einfach nicht vorstellen konnten,
dass Gott, der Schöpfer des Alls,
sich nackt und bloß in eine Krippe legen lässt.

Nur zwei Generationen nach Lukas
hat ein frühchristlicher Theologe
diese Vorstellung nicht mehr ausgehalten
und dieses Evangelium in seiner Gemeinde einfach
herausgestrichen:
„Schafft endlich die Krippe fort
und die eines Gottes unwürdigen Windeln! "


Konsequenterweise hat er dann auch behauptet,
am Kreuz sei nur ein Scheinleib gehangen
und gestorben.
Wäre das so gewesen, hätte Gott nur Menschsein gespielt,
dann wäre der Mensch weiterhin hoffnungslos verloren.
Gottseidank glaubten die Urväter dem Wort Gottes mehr
als Menschengedanken.

Der Engel Gottes
nennt das „Kind in Windeln" ein Zeichen.
Wir sollen also nicht bei dem stehen bleiben,
was wir unmittelbar vor Augen haben,
sondern tiefer blicken und fragen: Ein Zeichen wofür?
Nun, ein Säugling wurde damals
mit Binden umwickelt, sah anders aus als heute.
Im Titelbild ist das Kind vom Hals bis zu den
Zehenspitzen kreuzweise umwickelt –
Ausdruck mütterlicher Fürsorge und kindlicher Ohnmacht,
zugleich aber auch Hinweis auf unsere schlimmste Fessel,
den Tod.
Der Tote wurde zu Lukas’ Zeit
in Leinentücher gewickelt und begraben, auch Jesus.

Windeln schützen das Kind,
fesseln es aber zugleich.
Auch wir wachsen mit unserer Geburt
in vielfache Bindungen hinein –
in soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche
Bindungen. Sie geben einerseits Sicherheit,
andererseits aber engen sie uns ein.
So erfahren wir uns ein Leben lang.


Ist das nun alles, was die Weihnacht zu verkünden hat,
wenn der Engel das „Kind in Windeln“
ein Zeichen nennt? Ganz gewiss nicht!
Das Kind in der Krippe ist natürlich vor allem
ein Zeichen für das, was Gott an uns tut –
Zeichen für den Einbruch Gottes in unsere Welt.
Keine Idylle, sondern, wie der große Kierkegaard sagt:
„Wenn Gott das tut, so ist dieses Faktum
der Ernst des Daseins. Und der Ernst in diesem Ernst
ist wiederum, dass darüber jedermann eine Meinung
haben soll.“

Das Ungeheuerliche der Weihnacht ist doch,
dass der Schöpfer des Alls
sich erniedrigt, „sich ent-äußert“, wie Paulus sagt,
und unsere sündenverstrickte Menschheit annimmt
mit allem Vergänglichen, Verworrenen, Erbärmlichen
und Bösen,
aber auch mit allem Schönen und Großartigen.
Viel mehr noch:
Dass das Krippenkind, zum Mann herangewachsen,
sich als der wahre Befreier erweist,
uns von allen Fesseln ent-bindet
und zu einem neuen Leben befreit,
die Mächte des Bösen und des Todes ent-machtet
und an ihre Stelle die Herrschaft Gottes setzt.
Das haben Menschen,
die Jesus begegnet sind, wirklich erfahren.
Er hat sie aus ihren Fesseln und Bindungen befreit,
aus allem erlöst,
was durch Irrtum oder Schuld verstrickt war.
Hat Blinde sehend gemacht und Lahme gehend,
Kranke und Verstümmelte wieder aufgerichtet und
Sündern ihre Schuld vergeben im Namen Gottes.
Seine Sendung war,
alles, was Menschenantlitz trägt,
zu retten und zu heilen,
die Erde und alles, was auf ihr lebt,
mit Gott zu vereinen.
Er kam nicht, um zu richten,
sondern zu suchen, was verloren war,
um zu befreien, was in Schuld und Angst gefesselt war.

Das „ Kind in Windeln“ will auch Zeichen sein
für unsere Existenz zwischen Anfang und Ende
unseres Lebens.
Wer das nicht vergisst, weiß auch,
was wir im Grunde immer sind,
hinfällige sterbliche Wesen,
angewiesen auf Gottes Erbarmen und Liebe.
Jesus hat diese unsere Armseligkeit auf sich genommen
und ist, in Leinentücher gewickelt, begraben worden,
uns gleich geworden bis in den Tod.

Aber das Letzte,
was uns von diesem „ Kind in Windeln“
berichtet wird,
ist nicht Ende, Untergang, Tod, sondern
„Der Dritte Tag“,
die Auferweckung des Gekreuzigten.

Auferweckt wurde Jesus aber
in eine verklärte Leibexistenz,
in die unendliche Freiheit Gottes hinein,
in die er uns vorangegangen ist.
Seitdem ist auch jeder einzelne Mensch
hineingenommen in seine Herrlichkeit,
die uns in ihm aufgestrahlt ist.

Das ist die tröstliche Botschaft der Weihnacht:
„Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
Gnade über Gnade.
Der Einzige, der Gott ist
und am Herzen des Vaters ruht,
ER hat Kunde gebracht“ (Joh 1,16f)
vom menschenfreundlichen Gott.


Befreier, DU!
DU holst mich heraus aus meinen Fesseln,
Ängsten und Zwängen.
Vorangegangen bist DU in die Freiheit.
Ich bin nicht mein Ziel,
sonst müsste ich ja im Kreis laufen –
zum Verrücktwerden.
DU holst mich aus meinen Tiefen
und führst mich ins Weite,
DU belebst mich neu.
DU bist, was ich erhoffe.

So ermutigt, gehe ich zuversichtlich ins Jahr 2013.
Wir wünschen eine gesegnete Weihnacht
und Gottes Segen und Geleit.


In alter, herzlicher Verbundenheit

Grüß Gott! Zuerst möchte ich mich kurz vorstellen

kippes_introduce.jpg


Ich heiße Waldemar Kippes, bin katholischer Priester und Mitglied der Kongregation der Redemptoristen.
http://www.redemptoristen.de/
Geboren bin ich in Kempten. Seit Januar 1956 arbeite ich als Missionar in Japan. Bis 1971 war ich hauptamtlich in der Pfarrseelsorge tätig. Daneben unterrichtete ich Ethik an der La Salle Junior High School in Kagoshima und dozierte Deutsch an der staatlichen Universität Kagoshima.

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Familienfoto Sommer 1949 nach dem Abitur.
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Von 1971-1975 machte ich ein Zweitstudium an der Loyola University of Chicago und promovierte in Counseling Psychology 1976 kehrte ich nach Japan zurück und dozierte bis 1995 Deutsch, Philosophische Anthropologie, Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation als Privatdozent an der Sophia University, Tokyo; ferner Pastoral Counseling an der Nanzan University, Nagoya, und am St. Anton's Theological Seminary , Tokyo. Von 1995-1997 hatte ich eine Professur am Junior Nursing College in Kurume, Kyushu, inne. Daneben war ich über viele Jahre hindurch als Supervisor und Kursleiter bei der Telefonseelorge in Tokyo tätig. Außerdem gab ich zahlreiche Seminare und Exerzitienkurse sowohl in Japan wie in anderen Ländern, speziell in Korea. 1991 fing ich an, Kurse in Krankenseelsorge (Clinical Pastoral Care) zu geben. 1998 gründete ich mit gleichgesinnten Menschen das Institut "The Clinical Pastoral Education and Research Center, Japan" zur Ausbildung und Forschung in Krankenseelsorge, zunächst besonders in katholischen Krankenhäusern in Japan. Seit dieser Zeit bin ich Direktor dieses Institutes. http://pastoralcare.jp/de/

Mein Weg

Den Menschen in ihrem Suchen helfen.
Als Redemptorist unterwegs


Gespräch mit meinen Stadtpfarrer in der Mitte einer Seitenstraße kurz nach dem Abitur Juni 1949.
„Was willst Du werden? Beamter?“ frug er mich.
„Nein. Ich möchte Priester werden.“
„Dann geh‘ ins Priesterseminar nach --.“
„Ich möchte Missionar werden.“
„Dann geh‘ zu den Redemptoristen.“
Das war das erste Mal, dass ich das Wort ‚Redemporist‘ hörte. Bald darauf fuhr ich mit dem Fahrrad los. Zuerst jedoch zu den mir bekannten Benediktinern in Neresheim. Ob die für mich das Passende wären. Ich verbrachte dort zwei bis drei Tage. Doch die oftmalige Glocke zum Gebet war für mich ein Zuviel des Guten. Regelmäßig die Arbeit bzw. das Studium unterbrechen zu müssen, entsprach nicht meinem Arbeitsrhythmus. So radelte ich dann weiter nach Günzburg. Dort erhielt ich von P. Rektor Eichinger meine ersten Infomationen über die Redemptoristen. Kurz darauf fuhr ich dann nach München ins Provinzialat und von dort weiter nach Gars. Alles per Fahrrad bzw. per Anhalter. „Daheim ein Kartäuser, draußen ein Apostel“ wurde für mich ein Leitmotiv.

Im August –praktisch gut 2 Monate nach meiner ersten Kontakt mit dem Wort „Redemptorist“ begann ich das Noviziat, anschließend Studium der Philosophie und Theologie. 4 Jahre nach meinem Eintritt übernahm die Provinz eine Mission in Japan. Freiwillige konnten sich melden. Als mein Jahrgang an der Reihe war, meldete ich mich gleich. 4 Monate nach der Priesterweihe wurde ich mit 4 Mitbrüdern ausgesandt. Per Frachtdampfer ging es von Genua, Suezkanal, indischer Ozean, Singapur, Manila, Hongkong, Shanghai und nach 56 Tagen schließlich nach Kobe, Japan. Von Japan wußte ich außer Fujisan (Fujiyama), Kimono, farbenreich und Kamikaze-Piloten nicht viel mehr. Ich wollte dies übrigens auch nicht, da ich Menschen und deren Land nicht über Bücher oder Sonstiges sondern vor Ort kennenlernen will. Japan, das Land der aufgehenden Sonne stellte ich mir als warmes, heißes Land vor. Darin täuschte ich mich gewaltig.

Angekommen im Hafen von Kobe schneite es und es war kalt. Die Hallen im Hafengelände waren grau, von hellen Farben war nichts zu sehen und Kimonos so gut wie nicht. Öfen gab es keine. Die Hände konnte man sich erwärmen mittels auf Sand gelagerten Holzkohlen in Tongefässen –ein Weihrauchfaß könnte als Vergleich dienen--. Sonst half nur Bewegung bzw. Mäntel, Pullover, Decken usw. Frostbeulen an Händen, Füßen und Ohren waren die Folge. (Notabene die Füße sind auch jetzt nach mehr als 56 Jahren von Ende Oktober bis Anfang Mai gewöhnlich kalt.)

Das 1. Jahr verbrachten wir zu viert in einem japanischen Haus und lernten Japansich mit einem Privatlehrer. Unsere Einzelzimmern hatten die Größe von 270cm x 180cm. Türen und Wände waren aus Papier und Holz. Im 2. Jahr wurden wir auf 2 Stationen verteilt. Dort konnten wir 1 weiteres Jahr dem Studium der japanischen Sprache nachgehen. Während dieser Zeit konnten wir einzeln auch eine Fahrt durch Japan machen, um das Land kennenzulernen.

Die eigentliche Missionsarbeit begann nach dem Japanisch Studium. Ich war ein halbes Jahr mit P. Meyer, dem damaligen Obern, in Sendai (Südjapan!) tätig. Danach ein halbes Jahr in Kaseda ehe nach nach Tokunoshima, einer kleinen Insel nördlich von Okinawa, versetzt wurde. Auf Tokunoshima gefiel es mir sehr gut. Mit Jeep und Lautsprecher lud ich die Bewohner zur Kirche ein. Es gab zwar (noch) keine Wasserleitung noch Elektrizität, dafür Habus (Giftschlangen) und viele Flöhe. Die Menschen lebten in ärmlichen und engen Verhältnissen. Doch sie waren fröhlich und aufgeschlossen. Ich hatte vor, ihnen in Bezug auf die Verbesserung ihrer Wohnverhältnisse zu helfen. (Dies initierte dann mein Nachfolger P. Arima.) Nach einem Jahr musste ich wieder wandern und zwar nach Kaseda.
In Tokunoshima lernte ich eines. Innerer Friede hängt nicht mit einem stabilen Haus zusammen. Die dortigen Menschen, die in windschiefen Häusern lebten, hatten inneren Frieden und gegenseitigen Zusammenhalt (in ihrer jeweiligen Dorfeinheit. Auf der Insel als Ganzes war/ist dies leider nicht der Fall.)

In Kaseda wollte ich das in Tokunoshima Gewohnte fortsetzen. Ich fand aber bald heraus, dass ‚andere Menschen andere Sitten‘ seine Richtigkeit hat. Um die Bewohner zur Kirche einzuladen, stellte ich mich z. B. Morgens an die Straße, um die Schüler, die in die dortige Oberschule gingen, zu begrüßen bzw. mich bekanntzumachen. Nach 3 Jahren konnte ein Kindergarten gebaut werden. Ich hoffte durch den Kontakt mit Eltern und deren Kinder Menschen für den Glauben gwinnen zu können. In der kleinen Stadt war ich bald bekannt.

In einem Lungenkrankenhaus in Kaseda begann meine regelmäßige Begegnung mit kranken Menschen. Durch sie und durch die Begegnung mit Menschen, die Intersse am Glauben hatten, spürte ich eines: Menschen sind Suchende. Wenn sie zu mir kommen, haben sie einen Wunsch. Sie nehmen an, dass ich ihnen in ihrem Suchen helfen könne. Da jedoch viele dieser Menschen dann nicht mehr kamen , merkte ich, dass ich ihnen das, was sie suchten, nicht geben konnte. Ich wollte ihnen das geben, was ‚ich‘ nicht sie als wichtig angesehen hatten. In der Folgezeit nahm ich an diversen Kursen teil und versuchte dann gleich das jeweils (An)Gelernte anzuwenden. Natürlich blieb der ersehnte ‚Erfolg‘ aus. Langsam keimte in mir die Einsicht, dass richtiges Hören den Ausschlag gibt.

Eine zweite Erfahrung, nach 8 Jahren in Japan war die, dass ich bei Predigten und beim Glaubensunterricht (oft) die gleichen Dinge wiederholte. Aus diesen beiden Einsichten wuchs mein Entschluss, nochmals auf die Uni zu gehen. Ich entschied mich für ‚Pastoral Counseling‘ und konnte/durfte mich 1971 in der Loyola Universität in Chicago immatrikulieren. 1975 promovierte ich dort.

Ich hatte vor, durch das Studium Wege zu finden, wie ich „anderen“ etwas übermitteln könne. Nach 3 Monaten jedoch kehrte ich das Konzept um. „Ich studiere für mich. Denn erst wenn ich das Hören in mir integriert habe, kann ich es eventuell auch anderen mitteilen“. Während der 4 1/2 Jahren in Chicago lebte ich bei den ‚Alexianer Brüdern‘ als Hausgeistlicher. Diese Jahre waren in meinem Leben die beste Zeit was innerliches Leben anbelangt. Kein Fernsehen und Radio, dafür immer wieder Austausch über den Glauben. (NB Seit dieser Zeit benütze ich keinen Fernsehapparat. Im Hotel ab und hin schaue ich mir den Teil eines Fussballspieles an.)

1976 nach Japan zurückgekehrt, wollte ich in der Krankenseelsorge arbeiten. Doch dafür fand ich in katholischen Institutionen kein Gehör (von Institutionen öffentlichen Rechts ganz zu schweigen). – Krankenseelsorge gibt es auch heute selbst in Hospizen kaum! – Ich konnte dann hauptamtlich als Dozent an der Sophia Universität in Tokyo „Die Lehre vom Menschen“, „Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation“ und „Deutsch“ dozieren. Daneben gab ich Kurse in Pastoral Counseling an der Nanzan Universität (Steyler Missionare) in Nagoya und dem Priesterseminar der Franziskaner in Tokyo. Während der Zeit in Tokyo war ich in der japanischen und englischen Telefonseelsorge engagiert, gab regelmäßig Kurse in „Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation“ in Japan und Korea und monatlich ein- bzw. zweitägige Einkehrtage in Japan.

Als ich 1987 aus Tokyo in eine Vorstadt umzog, konnte wegen der Entfernungen der abendliche Gebetskreis nicht mehr weitergeführt werden. Bei einer Tagung in Australien lernte ich die ‚Konferenzschaltung (des Telefons)‘ kennen. Zurück in Japan versuchte ich gleich diese Methode. Sei diesen Jahren ‚treffen sich per Telefon‘ einmal wöchentlich 6-10 Personen für 40 Minuten zum gemeinsamen Gebet: Psalmen, Litanei, Schriftlesung und Reflektion, Bittgebet und Segen. Seit vielen Jahren beteiligt sich ab und an der jetzige Bischof von Kagoshima.

In Tokyo und in Kagoshima darf ich jährlich jeweils drei 2-tägige Einkehrtage begleiten.

Anfang 1980 war ich Mitbegründer der interkonfessionellen Vereinigung „Seelsorge in Krankenhäusern“ und 1986 lud mich ein katholisches Krankenhaus ein. Zunächst für „Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation“ für das Personal. Daraus entwickelten sich dann „Ausbildungskurse für Krankenseelsorge“. 1995 bekam ich eine Professur an einer katholischen Hochschule für Krankenpflege. In dem angeschlossenen Krankenhaus wollte ich kompetente Krankenseelsorge aufbauen. D. h. auf den Kranken als Person eingehen, ihm zuhören, dies auch wenn keine Worte gewechselt werden. Einem Japaner – die meisten sind nicht in einer festen Glaubensrichtung sozialisiert-- gleich ‚Religion anzubieten‘ halte ich für unangebracht. Zuerst kommt die Person im Hier und Jetzt. Religiöse Hilfe und dessen Angebot kommt auf deren Wunsch bzw. der gegebenen Situation danach. Diese Art von Krankenseelsorge wurde abgelehnt. Ich beendete deshalb meine Lehrtätigkeit an dieser Institution und verlegte mich ganz auf die Ausbildung in Krankenseelsorge.

1998 gründete ich mit Gleichgesinnten das „Institut für Ausbildung und Forschung in Krankenseeslorge, e.V. “. Für die Allgemeinheit bieten wir Vorträge sowie ein- bzw. zweitägige Einführungskurse an. Diplomkurse für Personen, die sich ganz in der Krankenseelsorge engagieren wollen, gibt es deren zwei. Der 1. Diplomkurs besteht aus einem 3-tägigen und drei 5-tägigen Kurseinheiten. Der daran anschließende Aufbaukurs besteht aus vier 5-tägigen Kurseinheiten. Dazu kommen Kurse in Philosophie und Theologie sowie Protokolle und deren Besprechung in Gruppen und unter der Leitung eines Supervisors. Seit der Gründung vor 15 Jahren haben 11 Personen den ersten Kurs und über 80 Personen den vollen Kurs abgeschlossen. Bezüglich deren Anstellungen müssen diverse Wege gefunden werden. Dies ist oft sehr mühsam. Doch wenn das Verständins der Öffentlicheit für die Notwendigeit einer kompetenten seelischen Betreuung kranker Menschen sehr minimal ist, glaube ich tortzdem, dass sich diese Mühe lohnt. Menschen sind eben keine Machinen, die mit Arzneien ‚am Laufen‘ gehalten werden (können), sondern Personen, deren Existenz einen Sinn hat und die diesen Sinn auch wahrgenommen haben wollen. Krankenseelsorge soll helfen, die Würde des Menschen zu wahren und zu festigen.

2006 wurde mit Freunden der „Förderverein ‚Krankenseelsorge in Japan‘ e. V.“ gegründet.

Seit dem Erdbeben und dem Tsunami im vergangen Jahr gebe ich in Sendai (Nordjapan) regelmäßig Kurse im ‚Hören‘, um Menschen zu helfen, für die Nöte von Mitmenschen sensibel zu werden. Fukushima ist ab und an auch mit eingeschlossen.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich drei Internetseiten habe, „Jesus-online.jp“ um Jesus bekannt zu machen, die zweite „blog redemtor-forum“ als Sprachrohr für unsere Redemptoristengruppe in Südjapan, und die dritte „pastoralcare.jp“ um die Notwendigkeit und Hilfe einer kompetenten Krankenseelosrge an die Öffentlichkeit zu tragen. Neben Artikeln habe ich 10 Bücher mit Hilfe von Japanern auf Japanisch, vier weitere redigiert und mit einer deutschen Schwester ein Deutsches Lehr- und Lesebuch „Erfüllter leben Deutsch zum Sprechen und Nachdenken“ herausgegeben. Ich bin froh und dankbar, dass ich vieles machen durfte und noch machen darf. Ich bin gewöhnlich nicht lange zu Hause sondern von Kagoshima bis Hokkaido (3000 km) unterwegs.

Zuletzt möchte ich sagen, dass mir Stille, Meditation am meisten hilft. Für mich ist das Leben ein Kampf zwischen Gut und Böse.

Krankenseelsorge verstehe ich als Sensibilierung des inneren Menschen, heute, in der Überflutung durch die Medien, ein sine qua non.

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